Tierkrankenversicherung: Lohnt sie sich wirklich?

October 10, 2019
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Erkältungen, Arthrose, Zahnwurzelentzündung – daran können nicht nur wir, Menschen, sondern auch unsere Haustiere leiden.

Dank der hierzulande herrschenden Krankenversicherungspflicht für Menschen sind wir uns der medizinischen Behandlungskosten selten bewusst, denn sie werden direkt von der Krankenkasse getragen.

Doch bei unseren Fellnasen ist es anders: Wie bei einem Privatpatienten, bedeutet jeder Tierarztbesuch Ausgaben, die direkt aus der eigenen Tasche bezahlt werden müssen und häufig sehr gewichtig ausfallen. Oft stellt das ein Dilemma dar, denn niemand will seinen Liebling leiden sehen – für viele ein wichtiger Grund, um über eine Tierkrankenversicherung nachzudenken.

Doch welche Vor- und Nachteile bringt eine Krankenversicherung für dein Haustier mit sich? Wir haben die wichtigsten Informationen für dich zusammengefasst.

Inhaltsangabe

  1. Was ist eine Tierkrankenversicherung?
  2. Auswahl der Tierkrankenversicherung: Darauf solltest du achten.
  3. Warum lohnen sich die meisten Tierkrankenversicherungen nicht?
  4. Gibt es Alternativen zu einer Tierkrankenversicherung?

1. Was ist eine Tierkrankenversicherung?

Im Grunde funktioniert eine Tierkrankenversicherung wie ein Krankenschutz für Menschen: Du als Tierbesitzer bezahlst einen monatlichen Beitrag an die Versicherung und sie trägt die Kosten sämtlicher Untersuchungen und Behandlungen beim Tierarzt, sollte dein Vierbeiner krank werden.

Generell kann eine Tierkrankenversicherung für Hunde, Katzen und Pferde abgeschlossen werden. Für Nagetiere ist das Versicherungsangebot bis dato noch recht beschränkt. Und das, obwohl auch bei den ganz Kleinen kostspielige Untersuchungen wie Röntgen oder MRT notwendig sein können. Anbieter Petplan und Tierversicherung.biz gehören zu den wenigen Ausnahmen, die unter anderem Kaninchen, Meerschweinchen und Chinchillas einen Krankenschutz bieten.

Es gibt zwei Arten von Tierkrankenversicherungen:

Tier-OP-Versicherung: Wie der Name schon sagt, werden in diesem Fall kostenintensive operative Eingriffe und die notwendige Nachsorge (Medikamente, stationäre Aufnahme etc.) übernommen. Eine OP-Versicherung für Hunde liegt zwischen 124 Euro und 263 Euro pro Jahr. Derselbe Tarif für Katzen ist schon ab 92 Euro jährlich verfügbar (Finanztest, 2016).

Tierkrankenvollversicherung: Ein Rundumschutz für das Tier, der zusätzlich zu den chirurgischen Eingriffen auch spezielle Behandlungen und Untersuchungen wie Blutabnahmen, Labortests, Ultraschall, Röntgen und MRT beinhaltet. Je nach Anbieter können dazu auch Vorsorgemaßnahmen und Impfungen gehören, doch das eher selten. Diese Art von Versicherung gilt als deutlich teurer und kann einen Hundebesitzer jährlich zwischen 120 bis zu circa 1.300 Euro kosten. Für Katzen liegen die jährlichen Beträge zwischen 160 Euro und 560 Euro.

Der Leistungsumfang ist bei jedem Anbieter sehr unterschiedlich. Das Versicherungsunternehmen Agila übernimmt beispielsweise Vorsorgemaßnahmen wie Impfungen und Wurmkur. Petplan bezahlt Behandlungen mit Homöopathie und Akupunktur. Helvetia bietet einen optionalen Zahnzusatzschutz, der eine Wurzelbehandlung und Zahnersatz beinhaltet – vor allem für ältere Hunde und Katzen eine wichtige Leistung.

2. Auswahl der Tierkrankenversicherung: Darauf solltest du achten


Für dich als Tierbesitzer heißt es, die existierenden Tarife und Anbieter miteinander zu vergleichen und den besten für deinen Vierbeiner zu wählen.

Sind Standardleistungen wie Kastration und Impfungen mit inbegriffen? Gilt der Versicherungsschutz auch im Urlaub und falls ja, in welchen Ländern und für welchen Zeitraum? Solltest du selbst in ein Krankenhaus eingeliefert werden, sind die Kosten für die Unterbringung deines Haustieres gedeckt?

Die Erwartungen und Bedürfnisse sind sehr individuell und du solltest dir im Klaren sein, welche Leistungen speziell für dich und deinen Vierbeiner wichtig sind. Außerdem solltest du bei deiner Wahl auf folgende Aspekte achten:

Preis: Dieselben Leistungspakete können preislich stark von Anbieter zu Anbieter variieren.

Erstattungslimit: Je nach Versicherer, kann die maximale Erstattungshöhe unterschiedlich ausfallen. Laut Stiftung Warentest kann die Summe je Versicherungsfall zwischen 1.500 € und unbegrenzt liegen.

Wartezeit: Nach der Antragstellung gilt eine Wartezeit, die zwischen einem und bis zu sechs Monaten variieren kann. Sollte dein Tier vor oder während der Wartezeit krank werden, werden die damit zusammenhängenden Behandlungen von dem Krankenschutz nicht gedeckt.

Selbstbeteiligung: Das sagt aus, wie viel Prozent der Behandlungskosten der Anbieter pro Versicherungsfall übernimmt. Meistens muss der Tierbesitzer einen Eigenanteil von 20 % der Kosten tragen.

Höchsteintrittsalter: Generell gilt: Je jünger das Tier, desto höher seine Chance versichert zu werden. Allerdings, muss der Vierbeiner meist älter als zwei Monate sein. Das durchschnittliche Höchstalter des Tieres bei der Antragstellung liegt zwischen sieben und neun Jahren.

Gebührensatz: Je nach Situation (z. B. Notdienst, lange Anreise), darf der Tierarzt begründet bis zu einem dreifachen Gebührensatz für seine Leistungen verlangen. Übernimmt deine Tierkrankenversicherung nur einen ein- oder zweifachen Satz, musst du die Differenz selbst zahlen.

Wie bei jedem anderen Vertrag, gilt auch hier: Das Kleingedruckte lesen! Denn oft werden erst dann die genauen Konditionen der jeweiligen Tarife deutlich und dir werden böse Überraschungen nach der Vertragsunterzeichnung erspart.

3. Warum lohnen sich die meisten Tierkrankenversicherungen nicht?

Während in Ländern wie Großbritannien und Schweden immer mehr Tierkrankenversicherungen abgeschlossen werden, entscheiden sich nur rund fünf Prozent der deutschen Hunde- und Katzenbesitzer für einen Krankenschutz ihrer Vierbeiner.

Zu einem, weil die potenziellen Gesundheitskosten des Tieres unterschätzt werden. Zum anderen, weil die existierenden Versicherungspakete kein attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis darstellen.

Beispielsweise kann der Beitrag zwischen verschiedenen Hunderassen variieren, sodass kleine Hunde preiswerter versichert werden können als große. Auch die Beiträge für die Katzenkrankenversicherung hängen davon ab, ob es sich dabei um eine Wohnungs- oder Freigängerkatze handelt.

Zudem schließen viele Versicherer Routineuntersuchungen und Impfungen nicht in ihre Tarife ein, sodass man dafür als Tierhalter trotzdem aus der eigenen Tasche bezahlen muss. Die Kosten dafür können jährlich zwischen 100 und 200 Euro liegen. Wenn man bedenkt, dass allein die Tierkrankenversicherung jährlich mehrere Hundert Euro betragen kann, ergibt sie zusammen mit den zusätzlichen Behandlungskosten eine ziemlich erhebliche Summe.


Ein weiterer Punkt sind die Aufnahmebedingungen wie das Tieralter und der Gesundheitszustand des Vierbeiners. Generell wird ein Krankenschutz nur gesunden Tieren gewährt, sodass ein Hund mit einer Vorerkrankung oder genetischem Defekt sehr wahrscheinlich von den Versicherern abgelehnt wird.

Im Jahr 2016 hat Stiftung Warentest 27 Tarife der Tierkrankenversicherung für Hunde, Katzen und Pferde verglichen. Das Ergebnis zeigt, dass die Tierbesitzer sich zwischen zwei Alternativen entscheiden müssen: einem hohen Versicherungsbeitrag oder beschränkten Leistungen.

Wie du siehst ist es keine einfache Entscheidung. Also nimm dir ruhig Zeit, um alle deine Optionen abzuwägen.

4. Gibt es Alternativen zu einer Tierkrankenversicherung?

Kommt eine Tierkrankenversicherung für deinen Hund oder Katze nicht infrage, solltest du nach einer anderen Variante suchen.

Eine Möglichkeit wäre die OP-Versicherung. Sie ist deutlich günstiger und deckt einen großen Teil der Ausgaben, sollte ein chirurgischer Eingriff notwendig sein. Da eine OP nicht unbedingt günstig ist und die finalen Kosten in einem vierstelligen Bereich liegen können, wäre eine Kostenübernahme durch die Versicherung sicherlich hilfreich.

Außerdem könntest du ein Sparkonto für die medizinische Versorgung deines Haustieres anlegen und monatlich eine gewisse Summe darauf überweisen. So bist du für den Fall der Fälle vorbereitet und ein teurer Tierarztbesuch wird dich finanziell nicht in eine Notlage bringen.

Tierkrankenversicherung: Fazit


Unsere Haustiere sind unsere Freude. Für viele gehören sie genauso in die Familie, wie jedes andere Mitglied. Sie sind wie Kinder, deren Wohlbefinden komplett in unseren Händen liegt. Sind sie einmal krank, bleibt für so manchen die Welt stehen und man setzt alle Kraft darauf, sie wieder auf die Beine zu kriegen.

Dass ein Vierbeiner Kosten mit sich bringt, sollte jeder Tierhalter von Anfang an wissen und sein Leben dürfte bestenfalls nicht von der finanziellen Lage seines Besitzers abhängen. Um so eine Situation zu verhindern, kannst du dich vorbereiten: Ob du monatlich einfach sparst oder eine Tierkrankenversicherung abschließt, hängt ganz von deinen Möglichkeiten und den Bedürfnissen deines Haustieres ab.

Informiere dich daher gründlich über alle Optionen, um die besten Leistungen zu einem fairen Preis zu bekommen und deinen vierbeinigen Liebling für alle möglichen Situationen abzusichern.

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